Was “A Clockwork Orange”, “Natural Born Killers” und “Funny Games” in Ausschnitten beleuchteten, fasst David Cronenberg in seiner nüchternen “History of Violence” zusammen – Mit Erfolg.

Tom Stall (Viggo Mortensen) führt ein kleines Diner in einer idyllischen, fast zu gewöhnlichen, amerikanischen Kleinstadt. Mit seiner Frau (Maria Bello), die Anwältin ist, und seinen beiden Kindern wohnt er in einem großen, schönen Haus etwas außerhalb der Stadt. Bis “Stall’s Diner” von zwei Gangstern überfallen wird. Im Angesicht der Bedrohung wächst der unscheinbare, schüchterne Tom über sich hinaus; überwältigt und erschießt die Angreifer. Am nächsten Tag feiern ihn die Medien als lokalen Helden – und mit seiner plötzlichen Berühmtheit kommen auch ein paar undurchsichtige Besucher aus Philadelphia, die ihn unter einem anderen Namen kennen wollen, und beteuern, dass er vor fast zwanzig Jahren einer von ihnen war …

David Cronenbergs differenzierte Gewaltstudie nach der gleichnamigen Graphic Novel von John Wagner und Vince Locke gehört zu den besten Filmen des kanadischen Regisseurs, der mit “Die Fliege” (1986) und “Scanners” (1981) seine größten Erfolge feierte. Im Gewand eines gewöhnlichen Thrillers daherkommend, entpuppt sich “A History of Violence” als ein unerschöpflicher Reigen der Gewalt, der – neben verschiedenen Arten der Gewalt – auch die erzählerischen Blickwinkel reflektiert: Mal nüchtern (in der Eingangssequenz), dann empathisch (wenn Tom seine Familie verteidigt), später grotesk (im Finale). Eine konsequente “History of Violence” eben.

Cronenbergs neuer Film, “Eastern Promises” (deutsch: “Tödliche Versprechen”), läuft seit dem 27. Dezember in deutschen Kinos, ich bin aber bislang noch nicht dazu gekommen, ihn zu sehen – eine Nachlässigkeit, die ich so bald wie möglich nachholen werde. Dann findet sich hier auch eine entsprechende Würdigung… 😉