November, 2008
Lakeview Terrace - Kinostart am 18. Dezember
Der neue Thriller von Neil LaBute will provozieren: Die Umkehrung von gewohnten Rassismusschemata sorgt für eine beklemmende Stimmung, fällt aber in altbekannte Mechanismen zurück.
Ein jungverheiratetes Paar mit unterschiedlichen Hautfarben (Patrick Wilson und Kerry Washington) zieht in einen Vorort, in dem ihr Nachbar, ein Polizist (Samuel L. Jackson), durch seine Streifen für Sicherheit sorgt. Allerdings hat er ein Problem mit der gemischt-ethnischen Beziehung des Paares und fängt an, sich in ihr Privatleben einzumischen, mit dramatischen und tödlichen Wendungen.
“Lakeview Terrace” versucht dringend Konventionen zu brechen, die im amerikanischen Kino in den letzten Jahren verstärkt zu sehen waren. Leider kommt der Film damit etwas spät, denn die Variante “der Cop ist nicht immer der Gute” wurde schon durch die Serie “The Shield” so populär gemacht, dass sie schon fast selbst wieder eine Konvention wurde. Ebenfalls nicht neu ist die Idee des umgekehrten Rassismus, wobei durch ethnische Differenz bedingter Terror in einer Kleinstadt erst einmal spannende und dabei nachdenklich machende Unterhaltung verspricht.
Der Film bietet Samuel L. Jackson genug Gelegenheit, seine Paraderolle als “böser, schwarzer Mann” (um einmal die wirklich schlechte Übersetzung aus Tarantinos “Pulp Fiction” zu zitieren) abzuspulen. Die ernsthaften Ansätze, die der Film in seiner ersten Hälfte präsentiert, gehen aber leider gegen Ende ins Leere und zusehends befindet sich der Zuschauer in einem konventionellen Thriller, der nicht hält, was er verspricht.
Der Titel des Films leitet sich übrigens aus der Region ab, in der 1991 Rodney King von vier Polizisten verprügelt wurde, was nach deren Freisprechung zu heftigen Unruhen in Los Angeles führte. Produziert wurde “Lakeview Terrace” von Will Smith, der deutsche Kinostart ist für den 18.12.2008 angesetzt.
Ein Mann mit vielen verschiedenen Facetten: Ob Komödie („Hancock“), Drama („Das Streben nach Glück“) oder Action („Bad Boys“), Will Smith hat von allem etwas. Sein Weg auf den „Thron Hollywoods“ war wie ein glorreicher Siegeszug, der noch lange nicht zu Ende ist.
Im Jahr 1990 beginnt die Reise nach Hollywood für den damals 22-jährigen William Christopher Smith Jr. mit der Serie„The Fresh Prince Of Bel-Air“. Der Clou an der Serie war, dass Will sich selbst spielte und einige biografische Details, wie z.B. sein Geburtsort Philadelphia, in die Story eingebunden wurden. Eigentlich war schon damals klar, dass er sich eines Tages zu einer gestandenen Hollywood- größe entwickeln würde.
Allerdings widmete er sich zu dieser noch seiner zweiten Leidenschaft: der Musik. Es entstanden zahlreiche Alben mit seinem engen Freund Jeff Townes, der auch Gastauftritte beim Prinz von Bel-Air erhielt. Gemeinsam bildeten sie das Duo „Jazzy Jeff & The Fresh Prince“. Weiterlesen »
Kinostart Bonjour Sagan
Mit gerade einmal 18 Jahren veröffentlichte Francoise Sagan ihren Skandalroman “Bonjour tristesse”. Ihr Leben zwischen Erfolg und Absturz wurde jetzt verfilmt.
Die Unabhängigkeit ihrer Romanfigur Cécile war auch das Leitmotiv in Francoise Sagans Leben. Im Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg löste sie damit einen Skandal aus, der aber durch ihr Selbstvertrauen Vorbildcharakter bekam. Verfilmt wurde ihr Buch bereits 1958 von Otto Preminger. Francoise Sagan schrieb nach “Bonjour tristesse” über 40 Bücher, heiratete mehrere Male und verwickelte sich in Steuerhinterziehung und Drogenabhängigkeit. Im jahr 2004 starb sie an einer Lungenembolie.
Im neuen biographischen Drama von Diane Kurys, die auch zusammen mit Martine Moriconi und Claire Lemaréchal das Drehbuch schrieb, spielt Sylvie Testud die umstrittene Künstlerin. Zuletzt war diese beeindruckende Schauspielerin bei uns in “La vie en rose” als Freundin von Edith Piaf zu sehen. Auch in ihrem neuen Werk zeigt sie, dass sie es versteht durch ihr intensives Spiel komplexe Persönlichkeiten auf der Leinwand zu entfalten.
Der Film selbst geht nicht auf nur eine beispielhafte Episode ein, sondern liefert eine stringenten Entwicklung derFigur über einen gewaltigen Zeitraum. Dies führt allerdings in einigen Instanzen zu einer etwas abgehackten Präsentation, die den Gesamtzusammenhang nicht immer schlüssig werden läßt. In Deutschland ist der “Bonjour Sagan” ab dem 01.01.2009 im Kinoprogramm.
Thomas Manns Roman über den Untergang einer Kaufmannsfamilie wurde aufwändig verfilmt. Am 25.12.2008 kommt der Film in die Kinos.
Der Untertitel bestimmt die Richtung: In elf Teilen erzählt der 1901 veröffentlichte Roman vom “Verfall einer Famile”. Für sein Erstlingswerk, bei der seine eigene Familie als Vorbild stand, erhiehlt Thomas Mann 1929 den Nobelpreis für Literatur. Das langsame Verschwinden von Tradition und Geschäftsgeist, die Gleichbedeutung der Familie und der Firma und gesellschaftliche Veränderungen lassen sich als Leitmotive herauslesen. Die neue Verfilmung ist einer der spannendsten Neustarts in den nächsten Wochen im Kino.
Werner Herzog pendelt immer wieder zwischen Spielfilm, Autorenkino und Dokumentation. Sein neuestes Werk wurde jetzt in die Shortlist für die Oscar-Nominierungen aufgenommen.
Aus 94 Dokumentarfilmen wurden am Montag, den 17. November 15 Filme ausgewählt, aus denen die fünf Nominierungen in der Kategorie “Documentary Feature” bei den 81. Academy Awards (”Oscar”) 2009 hervorgehen werden. Die Oscar-Verleihung wird am 22. Februar 2009 stattfinden, genau einen Monat vorher werden die fünf Kandidaten bekannt gegeben.
Sich gegen so viele Mitbewerber durchzusetzen ist keine leichte Aufgabe, doch zeichnen sich Herzogs Dokumentationen durch ihre eigensinnige Erzählstruktur und gerade auch durch den subjektiven Blick des Regisseurs aus. Diese spezifischen Merkmale könnten ihm helfen, sich von den anderen potentiell nomierten Filmen abzusetzen. Sie könnten aber auch die Hoffnung auf den begehrten Preis durch ihre Eigenwilligkeit zerstören.
Baz Luhrmann, einer der interessantesten Regisseure der letzten Jahre, präsentiert im Dezember in Deutschland seinen neuen Film “Australia”, ein großes Epos von Liebe, Rindern und Krieg im Outback.
Es ist ein Hoffen und Bangen vor der großen Premiere in Sidney: Am 18.11. soll der neue Film des Regisseurs von “Strictly Ballroom”, “Romeo und Julia” und “Moulin Rouge” dem australischen Publikum vorgeführt werden, doch noch eine Woche vorher verkündete Luhrmann, dass er mit dem Film noch nicht fertig sei.
Da verwundert es nicht, dass so kurz vor dem Kinostart so erstaunlich wenig über den Inhalt des Dramas bekannt ist: Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) erbt eine riesige Ranch inmitten des australischen Outbacks, der rauhbeinigen Drover (Hugh Jackman) hilft ihr, eine Rinderherde über unwirtliches Gelände zu treiben.
Dies geschieht vor dem Hintergrund des Beginns des zweiten Weltkriegs im Pazifik und der Bombardierung der Stadt Darwin durch japanische Kampfpiloten.
Baz Luhrmann zeigt sich begeistert von seinem neuen Werk und der Trailer zum Film unterstützt diesen Eindruck. Der Film verspricht geradezu episch zu werden, mit eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen und großen Gefühlen.
Während der Film bereits diese Woche in Australien anläuft, muss sich das deutsche Publikum noch bis zum 25.12. gedulden.
DER VORLESER wird gerade in Deutschland und New York gedreht. Produziert wird der Vorleser von Scott Rudin, sowie Anthony Minghella und Sydney Pollack. 1995 erschien der Roman des Rechtsprofessors Bernhard Schlink, der erste Roman, der es auf die amerikanische Bestsellerliste schaffte.
Thematisiert wird in dem Buch Schlinks der Zweite Weltkrieg in Deutschland. Das Thema Judenvernichtung und die Schuld des Einzelnen wird anhand einer ungewöhnliche Liebesgeschichte filmisch umgesetzt.
Der Film handelt von dem 15-jährigen Michael Berg (Kross), der Ende der 1950er Jahre in Heidelberg Hanna Schmitz (Winslet) kennenlernt. Die 20 Jahre ältere Straßenbahnschaffnerin und Michael treffen sich immer öfter und Michael erlebt seine erste Liebe. Vor dem Liebesakt muss Michael Hannah immer vorlesen, über ihre Vergangenheit möchte sie jedoch nie sprechen.
Hanna verschwindet auf einmal spurlos aus der Stadt. Einige Jahre später sieht Michael, als Jurastudent in einem Auschwitz-Prozess Hannah wieder. Sie ist angeklagt, weil sie eine ehemalige KZ-Aufseherin war.
Die Nachkriegsjahre im deutschen Kino sind geprägt durch den wirtschaftlichen Ausfschwung und das aufkommende Fernweh. Zwei Idole dieser Zeit, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sind die Sängerin Caterina Valente und der Schauspieler Hans Albers.
Caterina Valente ist ein Allround-Entertainment-Talent: Aufgewachsen im Zirkus ist sie Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin und Gitarristin in Personalunion. Nach Erfolgen im Musikgeschäft drehte sie 1954 ihren ersten Spielfilm “Mannequins für Rio” und bediente damit den Wunsch nach Exotik im Kino. Mit ihrem Bruder Silvio Francesco und Peter Alexander erschien 1956 die Musical-Komödie “Bonjour Kathrin”, auf dessen Namen etliche TV-Shows mit Caterina Valente basierten (”Bonsoir Kathrin”, “Bentomata Caterina”, “Bravo, Catrin!”). Während sie in Deutschland vor allem mit ihren Unterhaltungsfilmen und Schlagern Erfolge feierte, ist sie über Europas Grenzen hinaus als Jazz- und Weltmusik-Interpretin bekannt. 1959 wurde sie für den Grammy nominiert und 1965 überreichte ihr Sammy Davis, Jr. den Fame Award. Mittlerweile hat sie sich aus dem Showgeschäft zurückgezogen und lebt in der Schweiz und den USA.
Einen gänzlich anderen Blick auf die Gesellschaft der 50er Jahre bietet der “blonde Hans”. Weiterlesen »
Lars von Trier - dänischer Filmregisseur
Die dänische Filmbranche ist bekannt dafür, in unregelmäßigen Abständen immer wieder Erstaunliches abzuliefern. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist Lars von Trier. In Cannes und bei den Oscars geehrt, ist er ein Ausnahmekünstler, der weit über die Grenzen seines Heimatlandes bekannt ist.
Als einer der größten Filmregisseure Dänemarks ist der Name Lars von Trier (eigentlich nur Lars Trier, das “von” ist eine Hommage an die Regisseure Erich von Stroheim und Josef von Sternberg), untrennbar verbunden mit dem Dogma 95. In diesem Manifest wurden zehn Punkte festgelegt, die durch Einschränkungen in der Produktionsweise die Suche nach Reinheit und Wahrheit im Film unterstützen sollten. Auch wenn sich nur sein Film “Die Idioten” (1998) vollständig an das “Keuschheitsgelübde” des Künstlerzusammenschlusses hielt, ist von Trier dieser Suche treu geblieben und dabei sehr experimentierfreudig.
Nach seiner Europa-Trilogie, in der er den gesellschaftlichen Verfall des Kontinents thematisiert, drehte er für das dänische Fernsehen 1994 und 1997 die beiden Staffeln der Serie “Geister”, in der er Elemente aus Horrorfilmen und Arztserien miteinander vermischt. Trotz der wenig massentauglichen Handkameraaufnahmen erwies sich die Serie als ausgesprochen erfolgreich und lief etliche Male auch im deutschen TV.
Trotz zugkräftigen Schauspielern - mit Björk drehte von Trier im Jahr 2000 “Dancer in the Dark” und mit Nicole Kidman “Dogville” (2003) - verwehren sich seine Filme der Massenkompatibilität. Für die bisher erschienenen ersten beiden Teile seiner USA-Trilogie benutzte er eine Soundstage komplett ohne Set, was den Filmen die Optik fürs Fernsehen abgefilmter Theaterstücke gibt. Auch geht er im Umgang mit seinen Schauspielern oft an die Grenzen und läßt sie stundenlang in ihrem Charakter bleiben.
Lars von Trier ist ein Regisseur, der es immer wieder schafft, die Gemüter zu erregen - sowohl positiv als auch negativ - und wird damit für das Kinopublikum fernab des Mainstreams auf lange Sicht interessant bleiben.
Die Tintenwelt-Trilogie ist eine der erfolgreichsten deutschen Buchreihen der letzten Jahre. Im Dezember kommt der Film zum ersten Buch in die deutschen Kinos.
Nach diversen Preisen, die auf die Bücher von Cornelia Funke regneten, und etlichen Übersetzungen, die den Erfolg ins Ausland trugen, macht sich nun der wenig bekannte Regisseur Iain Softley daran, die Erfolgsromane zu verfilmen.
Brendan Fraser spielt den Buchbinder Mortimer Folchart, der die Fähigkeit hat, durch lautes Vorlesen Charaktere und Gegenstände aus Büchern in die reale Welt zu holen und umgekehrt. Dummerweise hat er den Fiesling Capricorn (Andy Serkis) vor Jahren aus dem Buch “Tintenherz” befreit und dabei seine Frau Teresa in die mittelalterliche Welt des Buches verbannt. Zusammen mit seiner Tochter Meggie versucht er nun das Unheil wieder ungeschehen zu machen.
Wie eine Filmversion dieses Buches, dessen Geschichte so untrennbar mit Literatur verbunden ist, aussehen mag, zeigt uns das Negativbeispiel von Michael Endes “Die unendliche Geschichte”: Sicherlich von den Effekten her hübsch gemacht, aber so durch die Hollywood-Maschinerie gedreht, bis der Freund des Buches die Geschichte nicht wiedererkennt. Ein Hauptproblem dabei ist der Drang amerikanischer Studios, die eingekauften Stories “einzuamerikanisieren” (so geschehen auch bei “Wintersonnenwende” nach Susan Cooper) und damit den Charme der Vorlage direkt in die Aquädukte von Hollywood zu spülen. Weiterlesen »


