Juli, 2008

29. Juli 2008

Heute gilt zwei Filmen ein besonderes Augenmerk, die aus der Riege der Neustarts im Kino herausstechen: Animals in Love und 39,90.

Animals in Love

Animals in Love oder auch das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Tiere in der Paarungszeit ist ein faszinierender Dokumentarfilm, in dem hemmungslos gebalzt, geschnäbelt, geträllert und geturtelt wird. Dabei sind Tiere wahre Paarungsstrategen, die in ihrer eigenwilligen Art und Weise balzen, erobern und lieben. Laurent Charbonnier bringt genau diese eigenwilligen Liebesspiele zahlreicher Säugetiere, Amphibien, Insekten und Vögel in einer sehr unterhaltenden Dokumentation auf Zelluloid. Dabei sind die Tiere in ihrer Suche nach einem Sexualpartner nicht nur sehr einfallsreich, sondern manchmal auch recht ungestüm. Animals in Love ist eine komische und ironische Dokumentation des tierischen Liebeslebens. Und der Mensch kann sich hierbei noch so einiges abschauen.

39,90

Die bitterböse Satire des Regisseurs Jan Kounen gibt tiefe Einblicke in eine Welt, die verlogener und irrealer nicht sein kann. Das ist die Werbewelt, in der alles käuflich ist. Und Octave Parango gehört dieser Welt an. Er arbeitet für eine der weltgrößten Werbeagenturen und ist einer der kreativsten und genialsten Texter der Werbebranche. Octave Parango scheint alles zu haben: Talent, Geld, Frauen. Arrogant und egoistisch, führt er ein exzessives Leben aus Kokain, Alkohol und Frauen. Doch als er seiner großen Liebe Sophie begegnet, und wieder verliert, beginnt er an seinem oberflächlichen Leben und der scheinheiligen Werbewelt zu zweifeln. Und daher will er sich aus der zynischen Werbewelt auf seine eigene Art und Weise befreien. Die schwarze Komödie, die auf dem gleichnamigen Beststeller von Frédéric Beigbeder basiert, ist ebenso wenig subtil wie die Werbung selbst. Die Heuchelei und der Zynismus der Werbewelt sind zwar überspitzt dargestellt, sind jedoch die Realität.


Wüste Langeweile

Author: Christophe Braun
25. Juli 2008

Dass Matthias Schweighöfer in der Auswahl seiner Projekte kein sicheres Händchen beweist, daran besteht wohl kein Zweifel mehr. Aber “Fata Morgana” ist in dem Zusammenhang schon eine ganz eigene Klasse.

Der Film ist öde bis zum Einschlafen. Der einzige, der seinen Job noch halbwegs verlässlich meistert, ist der Kameramann - der Wüstenbilder wegen verdient es der Film, im Archiv eines Geographie-Clubs (am Besten im letzten staubigen Karton, der mit “Exotisches” beschriftet ist) verwahrt zu werden; bis in alle Ewigkeit.

Jedenfalls, wenn ich den Inhalt hier wiedergebe, dann erfordert schon die deutsche Grammatik, dass ich etwas hinzufüge - nämlich ein Verb: Das wäre unkorrekt, darum erspare ich mir die Inhaltsangabe. Kurz gefasst: Es passiert - nix. Zwei Studenten rödeln in ihrem hässlichen Jeep einem schrägen Franzosen durch die Wüste hinterher und erkunden die gruseligen Untiefen ihrer Psyche etc.

Wer weiß, hätte Michael Haneke den Film gemacht, vermutlich wäre was draus geworden. Naja, mit anderen Darstellern, versteht sich. Denn die, die Simon Groß in seinem Regiedebüt auf das, äh, spartanische Drehbuch loslässt, sind einfach … uninteressant. Mit Knetpuppen wäre der Film spannender gewesen.

Womit wir bei Peter Jackson wären. Dessen “Meet the Feebles” ist geschmacklos, strotz aber vor Handlung - ok, die ist bescheuert - aber man schläft nicht ein.

Was bei Filmen insgesamt ein nicht zu verachtender Faktor ist.


Russischer Rupfkuchen

Author: Christophe Braun
23. Juli 2008

Viggo Mortensen und David Cronenberg sind eines der besten Paare, die sich vor (bzw., vor und hinter) der Leinwand zusammengefunden haben. Demenstprechend fantastisch ist ihr - nach “A History of Violence” zweites - gemeinsames Werk “Eastern Promises”, zu deutsch “Tödliche Versprechen”.

Der Film, im Prinzip ein konventioneller Thriller, spielt im Milieu der russischen Mafia in London. Als das Kind einer minderjährigen Zwangsprostituierten geboren wird, stellt die Hebamme (Naomi Watts) Nachforschungen an - und landet bei einem undurchsichtigen Restaurantbesitzer (Armin Mueller-Stahl), dessen Sohn (Vincent Kassel) und dem Fahrer (Viggo Mortensen). Aber die Herren sind (versteht sich) durchaus nicht das, wofür sie sich ausgeben…

Während “A History of Violence” noch in einer relativ episodenhaften Erzählweise verhaftet war, gelingt Cronenberg mit “Eastern Promises” ein epischer, gelassener, zynischer Gangsterfilm, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hat.

Der Film scheut sich nicht vor drastischen Bildern, aber insgesamt dominiert ein ruhiger, selbstbewusster Duktus; eine Moll-Tonart, die den Darstellern viel Freiraum für eigene Improvisationen lässt. Einer der reifsten, selbstsichersten Cronenberg-Filme insgesamt. Mortensen hätte den Oscar ruhig mit heimnehmen dürfen …


Feelgood für Realisten

Author: Christophe Braun
19. Juli 2008

Das große Verdienst Mike Leighs ist es, in seinen Filmen behutsam, aber eindringlich daran zu erinnern, dass die soziale Frage noch längst nicht beantwortet worden ist

Happy-Go-Lucky” ist das “Amélie”-ähnlichste, wozu Leigh imstande ist: Ein im Prinzip realistischer Film,  aber grellbunt und unverschämt gut gelaunt. Der Film berauscht sich an seiner Protagonistin, die es mit ihrer fabelhaften Weltentrücktheit schafft, ihre Umgebung zu verzaubern - obwohl dazu meistens durchaus kein Anlass besteht. Man geht ins Kino und erwartet das Portrait einer Irren - und kommt heraus mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Vielleicht hat Poppy gar nicht mal Unrecht …

Poppy ist einfach ständig gut drauf. Und: Sie lässt sich ihre famose Laune auch durchaus von niemandem vermiesen. Als ihr das Fahrrad gestohlen wird, bedauert sie nur, dass sie sich nicht richtig verabschieden konnte. Ihr Optimismus ist freilich eine Art, das Leben erträglicher zu machen: Poppy ist Grundschullehrerin in einem Londoner Arbeiterviertel, und - im Gegensatz zu Jean-Pierre Jeunets Pariser Kellnerin - sieht sie alles andere als bloß die Zuckerseite des Lebens. Aber irgendwie schafft sie es, jeder Situation das Beste abzugewinnen. Im Gegensatz etwa zu ihrem cholerischen Fahrlehrer, der sich längst aufgegeben hat.

Poppy-Darstellerin Sally Hawkins erhielt für ihr grandioses Spiel zu Recht den Silbernen Bären. “Happy-Go-Lucky”, den die Kinoprospekte ein Feel-Good-Movie nennen, ist genau das - für Realisten. Alle andern schauen Amélie.


18. Juli 2008

Mamma Mia

Ein Ensemble von Star in dieser Verfilmung des ABBA-Musicals Mamma Mia: Pierce Brosnan, Colin Farell, Julie Walters und Meryl Streep singen und schauspielern sich durch die Story, die in Musical-Form bereits 30 Millionen Menschen begeisterte. Natürlich sind auch ABBA-Songs dabei, für Fans dieser Musikrichtung ist der Film in jedem Fall ein Muss! Schon um sich hinterher darüber auszulassen, ob das Musical besser ist… :) Der Plot dreht sich um eine Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit drei Männer einlädt, die als potentieller leiblicher Vater in Frage kämen. Aus ihrer Suche nach dem echten Vater entspinnt sich eine Story um Hochzeit, Liebe, Familie und Musik.

Get Smart

Get Smart ist die Verfilmung der Fernsehserie Mini-Max von 1960. Maxwell Smart ist eigentlich kein Geheimagent, sondern Analytiker in der amerikanischen Spionage-Agentur CONTROL. Er wird nur dadurch zum Agenten befördert, dass die Identität der echten CONTROl-Mitarbeiter durch feindliche Aktivitäten bekannt wird. Für Smart geht ein Traum in Erfüllung. An der Seite der attraktiven und tödlichen Agentin 99 kämpft Maxwell gegen die böööööse Organisation KAOS. Resultat sind 110 mehr oder weniger vergnügliche Minuten.

Red Road

Eine junge Frau namens Jackie arbeitet bei der “City Eye Control” in Glasgow. Das bedeutet, sie sitzt vor einem Monitor und schaut, was Glasgows Bürger des Nachts so auf den öffentlichen Plätzen treiben. Dementsprechend unscheinbar und verstohlen ist ihr Leben, zwischen endlosen Nächten und einem schonungslos dargestellten Dasein im Armenviertel Glasgows. Eines Nachts beobachtet Jackie einen Mann auf den Monitoren, in dem sie eine Person aus ihrer Vergangenheit erkennt. Dieser Film war bei Cannes 2006 ein Festival-Highlight und kommt erst jetzt in die deutschen Kinos. Unbedingt ansehen!


Hollywoods letzter Held

Author: Christophe Braun
12. Juli 2008

In den letzten Jahren erlebt der Superheldenfilm eine Renaissance, mit der lange Zeit niemand gerechnet hätte. Zu verdanken ist das allen voran dem “Evil Dead“-Macher Sam Raimi, dessen “Spiderman”-Filme (angeblich) das Beste sind, was bis dato im Genre geschaffen wurde. Naja. Als der erste Teil herauskam, habe ich irgendwo gelesen, dass die Szene, in der Peter Parker sich im Spinnennetz-Schießen übt, auch allegorisch verstanden werden kann als das sexuelle Erwachen eines jungen Mannes.

Wow. Danke, Sam Raimi.

Jedenfalls, man kann es diesen Zeilen vielleicht entnehmen, stehe ich dem Superheldenfilm grundsätzlich etwas skeptisch gegenüber. Was aber gewiss nichts an dessen überragendem Erfolg ändern kann - wer hört denn auf mich? Nicht mal mein Meerschweinchen.

Es war höchste Zeit, dass der letzte verbliebene Kassenmagnet Hollywoods (der Titel seines letzten Blockbusters, “I am legend”, deutete das ja schon an) sich mal in dem Genre versucht. Das Ergebnis heißt “Hancock“, und der Kerl schaut einen momentan von jeder zweiten Litfaßsäule aus missmutig an.

Will Smith ist eigentlich ein Clown, obwohl er in verblüffend wenig reinen Komödien mitgemacht hat. Dementsprechend ist das Konzept von “Hancock” ein komödiantisches: Der Superheld, der auf seinen vermeintlichen Auftrag pfeift und sich lieber volllaufen lässt, und zwar auf der erstbesten Parkbank. Kein Strahlemann wie Superman, kein düsterer Rächer wie Batman, sondern schlichtweg einer, dem all das gründlich am Arsch vorbeigeht. Für einen solchen wird er folgerichtig auch von den meisten Menschen gehalten - was im Übrigen mit den nicht geringen Kollateralschäden zusammenhängen mag, die seine gelegentlichen Einsätze verursachen.

Das Drehbuch will’s, dass dieser Hancock, den eigentlich keiner so richtig leiden mag, an einen PR-Berater gerät, und dieser macht es sich zur Aufgabe, das Image des Arschlochs aufzupolieren.

Soweit, so gut: Daraus könnte man doch eine fabelhafte Komödie machen. Leider dachte der Autor des Films, er müsste noch ein bisschen tragische Tiefe etc. einbauen, und so kommts, dass etwa ab der Mitte ein zweiter, ziemlich absurder Handlungsstrang beginnt, der die Dramaturgie gründlich verdirbt. Letzten Endes können weder die schlappen Dialoge noch die - offensichtlich entsetzlich teuren - Spezialeffekte den Film tragen: Aber die Schauspieler, und allen voran eben Mr. Smith.

Der Mann ist auf der Leinwand dermaßen präsent, dass er auch eine hanebüchene Geschichte mal eben über zwei Stunden Spielfilmlänge tragen kann. Und so scheint die Prognose, dass sich der alte Will-Smith-Fluch, der da heißt, dass ein Film, in dem der ehemalige Prinz von Bel Air mitspielt, unweigerlich zum Kassenerfolg werden wird, auch bei “Hancock” durchaus angebracht. Obwohl der Film, offengestanden, nicht mehr als durchschnittlich ist.


Willkommen in der Vorstadthölle

Author: Christophe Braun
9. Juli 2008

Stellen Sie sich vor, die Autoren von “American Beauty” und “Donnie Darko” würden gemeinsam einen draufmachen, und dann, irgendwann gegen vier Uhr morgens, auf fleckigen Papierservietten ein gemeinsames Drehbuch entwerfen. Der resultierende Geniestreich dürfte Arie Posins Erstling “Chumscrubber” ähneln: Ein rabenschwarzer, boshafter Film über das Aufwachsen ganz normaler (?!) Jugendlicher in der ganz gewöhnlichen amerikanischen Vorstadthölle.

Denn darum geht’s in “Chumscrubber”: Dean (Jamie Bell in einer tanzlosen Rolle) findet seinen besten Freund Troy erhängt auf. Auf den ersten Blick scheinen alle Beteiligten den Selbstmord gut verarbeiten zu können: Troys Mutter (Glenn Close) etwa ruft systematisch alle Nachbarn an und versichert ihnen, dass sie sie nicht für den Selbstmord ihres Sohnes verantwortlich macht. Deans Vater, erfolgreicher Autor populärpsychologischer Ratgeber, wittert in Troys Tod gar ein interessantes Thema. Troys Mitschülern dagegen - Dean inklusive - scheint der Unglücksfall regelrecht egal zu sein. Jedenfalls für ein paar Stunden: Denn dann treten allmählich die ersten Entzugserscheinungen auf: Troy versorgte nahezu alle Kinder der beschaulichen kleinen Vorstadt mit “Wohlfühlpillen” - und die fehlen jetzt …

Was den Auftakt bietet für eine Geschichte, in deren Verlauf die adrette Fassade der amerikanischen Vorstadt gründlich demontiert wird. Wer sich für die eingangs erwähnten Filme begeistern konnte - oder für den aktuell im Kino laufenden “Charlie Bartlett” -, der wird auch an “Chumscrubber” seine helle Freude haben.


8. Juli 2008

Die Erfolge in den USA sprechen für sich, 50 Millionen wollten am ersten Wochenende das neueste Werk aus dem Hause Pixar sehen. Wenn man bisher irgendwie die Möglichkeit besaß, einen Blick auf den Trailer von „Wall-e – der Letzte räumt die Erde auf“ zu werfen, der wird die Begeisterung verstehen.

Wall-e ist ein kleiner Roboter, der bereits seit 700 Jahren auf der Erde weilt und die Rückstände der Menschheit zu kleinen Würfeln presst. Bereits bei dieser Arbeit erobert der Kleine das Herz der Kinozuschauer, denn mit zur Komik neigenden Neugierde nähert sich der kleine Roboter den menschlichen Erzeugnissen und trifft dabei auf einen Feuerlöscher oder einen BH. Wenig später haben auch die Letzten Wall-e ins Herz geschlossen, wenn er traurig vor dem Fernseher hockt und eine Liebesszene in einem Trickfilm verfolgt – seine Einsamkeit ist geradezu fühlbar.
Doch eines Tages soll sich das Leben des kleinen Roboters entscheidend verändern, als ein fremdes Raumschiff auf der Erde landete.

Diesen Film muss man als Filmfan unbedingt gesehen haben. Da auch wieder Andrew Stanton, der für den Erfolg von „Findet Nemo“ zuständig war, seine Hände im Spiel hatte, wird der Film allen Erwartungen gerecht. „Wall-e – der Letzte räumt die Erde auf“ ist absolut sehenswert.

Kinostart: 25. September


2. Juli 2008

Hancock

Superhelden können auch Chaos verbreiten. Das beweist Hancock. Der Regisseur Peter Berg zeichnet in seiner Komödie ein eher unkonventionelles Bild eines Superheldens. John Hancock (Will Smith) hat eigentlich alle Anzeichen eines klassischen Superheldens. Denn er besitzt übermenschliche Fähigkeiten. Aber sein Superheldenimage scheint immer mehr zu verblassen. Denn Hancock hinterlässt einfach nur ein großes Chaos. Und alle Bürger lieben es, ihn zu hassen. Daher muss sein beschädigtes Image wieder hergestellt werden, wobei ihm ein PR-Berater (Jason Bateman) helfen soll. Aber Hancock verliebt sich in die Frau (Charlize Theron) seines Beraters, und das Chaos ist vorprogrammiert.

Kung Fu Panda

Die DreamWorks Animation Studios haben wieder einen knuffigen Publikumsmagneten hervorgebracht. Der Pandabär Po (Harpe Kerkeling) ist ein pummeliger und fauler Zeitgenosse, der tagtäglich Nudelsuppe kocht. Aber insgeheim träumt er, ein großer und berühmter Kung Fu-Kämpfer zu sein. Und eines Tages kann sein Traum wirklich wahr werden. Denn eine Prophezeiung hat ihn auserwählt, gegen den mächtigen Schneeleoparden Tai Lung zu kämpfen, um das Tal des Friedens zu retten. Und nun müssen Master Shifu (Gottfried John) und seine Kung Fu-Meister Tigerin, Kranich, Gottesanbeterin, Viper und Affe aus einem verfressenen Pandabären einen großen Helden machen.


1. Juli 2008

Der neue James Bond-Film „Ein Quantum Trost“ startet zwar erst am 6. November, aber schon jetzt sind die ersten Trailer zum Film im Netz anzuschauen. Der neue Bond-Film ist thematisch äußerst komplex, so geht es unter anderem um eine verlorene Liebe von 007, einer geheimen Organisation und mysteriösen Bankgeschäften.