April, 2008
Fido von Andrew Currie: Pleasantville mit Zombies
Andrew Curries “Fido” (2006)
Fido ist die perfekte Hilfskraft im Haushalt: Er mäht den Rasen, wäscht das Auto, bringt den Müll raus, deckt den Tisch; er spielt sogar mit den Kleinen. Aber: Fido ist tot. Beziehungsweise untot, da sind sich die Verantwortlichen von “Zomcon”, der Organisation, die in Andrew Curries origineller Satire “Fido” aus wiederauferstandenen Leichen willenlose Arbeiter macht, selbst nicht so sicher.
“Fido” spielt in einer fiktiven 50er-Jahre-Welt und knüpft an Romeros “Nacht der lebenden Toten” an. Ok, letzterer ist von 1968, sieht aber, ehrlich gesagt, älter aus. Im Prolog des Films ist von den Zombiekriegen die Rede - und brechen die nicht am Ende der “Nacht …” an? Freilich, in “Fido” nehmen diese Kriege einen für die Menschheit (die lebendige) besseren Ausgang als in Romeros Zombiefilmen: Kriegsveteranen haben Trophäen (Köpfe) ihrer schönsten Abschüsse im Wohnzimmer, und die Kinder lernen in der Grundschule, wie man einen eloquenten Kopfschuss hinkriegt.
Curries Satire ist nicht in jeder Hinsicht gelungen, aber die Grundidee - “Zombie” trifft “Pleasantville” - macht Spaß. Zumal “Matrix”-Heroine Carrie-Ann Moss als bornierte Hausfrau ein paar wirklich komische Auftritte hat; etwa, als sie mit dem Untoten tanzt, nachdem ihr Mann sie verschmäht hat, oder wenn sie mal eben ein paar Zombiekinder abknallen geht. Einen Revolver trägt sie natürlich jederzeit in ihrer adretten Handtasche mit sich.
Leider entwickelt der Film keine sonderlich spannende Handlung; alles plätschert so vor sich hin. Gesplattert wird recht verhalten, aber das passt gut zur perfekten 50er-Optik, bei der blutigere Szenen ohnehin merkwürdig wirken würden. Von Regisseur Currie, der sich mit Horrorkomödien schon ein paar Sporen verdient hat, darf man noch mehr erwarten.
No Country for old Men der Brüder Ethan und Joel Coen
Mit “No Country for Old Men“, der Verfilmung eines Cormac-McCarthy-Romans, haben die Coen-Brüder (”Fargo”, “The Big Lebowski”) ihr Meisterwerk geschaffen - einen nihilistischen, lakonischen Thriller über Gier und Gewalt.
Ein arbeitsloser Mittvierziger stößt bei der Antilopenjagd irgendwo an der texanisch-mexikanischen Grenze auf die Überreste eines geplatzten Drogengeschäfts: Trucks, Kokain, und jede Menge Leichen. Dass einer der Männer noch atmet, interessiert den von Josh Brolin dargestellten Antihelden gar nicht - wohl aber der Koffer voller Geld, den er auf einer Leiche findet. Er nimmt ihn kurzerhand mit; aber nachts regt sich sein Gewissen, und er bricht auf, um dem Verwundeten in der Wüste Wasser zu bringen - ein denkbar schlechter Entschluss, denn dort wird er von Gangstern gefunden, und eine gnadenlose Jagd nimmt ihren Lauf …
Im Prinzip die Geschichte eines beliebigen B-Movies. Was “No Country for Old Men” so faszinierend macht, ist die Philosophie hinter dem Plot: Joel und Ethan Coen erzählen von einer Welt, in der es kaum noch Gute gibt (eine Ausnahme ist vielleicht der von Tommy Lee Jones dargestellte Sheriff), dafür aber jede Menge Böse. Moral? Fehlanzeige: Hominus Hominum Lupus est. Ein Film, ein Lehrstück Hobbes’scher Philosophie. Ob sich daraus Rückschlüsse über den derzeitigen Zustand Amerikas machen lassen? Sicherlich: Nicht von irgendwo wurde “No Country for Old Men” mit vier Oscars - darunter die wichtigen Kategorien bester Film und beste Regie - ausgezeichnet. Der Film zeigt eine trostlose, boshafte Welt. Nicht der schlechteste Spiegel für den Westen im ersten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Besonders beeindruckend ist der von Javier Bardem gespielte Killer - ein absolut nihilistischer, wahnsinniger Mensch mit einem gewissen Hang zum Sadismus. Die Selbstverständlichkeit, mit der er tötet (oder auch nicht) ist verstörend.
“No Country for Old Men” läuft leider nur noch in wenigen Kinos; darf aber getrost als einer der wichtigsten Filme des laufenden Kinojahres betrachtet werden.
Fever Pitch - Ein Film über Fußball nach Nick Hornby
Im Laufe dieses Jahres steht die Europameisterschaft im Fußball an. Das ist nicht in jeder Hinsicht eine gute Nachricht: Mag sein, dass wir ganz anständige Chancen auf den Titel haben, und sicher wird es eine Menge Spaß machen - aber fühlen Sie sich bitte nicht verleitet, in der Videothek Ihres Vertrauens nach Fußballfilmen zu fragen! Denn die sind grundsätzlich schlecht. Ok, “Kick it like Beckham” habe ich nicht gesehen.
Dafür aber “Shaolin Kickers” … und Wortmanns abartiges, totlangweiliges “Sommermärchen” … und, gestern: “Fever Pitch“, eine romantische Fußballkomödie nach Nick Hornby, immerhin ganz sympathisch besetzt mit Colin Firth. Zu deutsch trägt der Streifen den entzückend phantasielosen Titel “Ballfieber”. Worum geht’s? Nun, ehrlich gesagt, tut sich da die erste Schwierigkeit auf, denn das Drehbuch von Mister Hornby erweist sich als nicht ganz so schlüssig wie (vielleicht) der Roman. Er hat es, soweit ich weiß, nach “Fever Pitch” (1997) auch nicht wieder mit dem Drehbuchschreiben versucht.
Einen Eindruck von Hornbys cineastischer Begabung vermittelt bereits der lustige, abgefilmte (!) Trailer:
Im Großen und Ganzen erzählt “Fever Pitch” von einem Jungen, der im Arsenal der 60er aufwächst, Fußballfan wird, 20 Jahre mit seinem Verein verbringt (als Fan, wohlgemerkt), schließlich eine Frau kennenlernt - das aber leider Gottes im Schicksalsjahr 1989 … - und es sieht alles danach aus, als müsse der arme Kerl (Paul, übrigens) sich entscheiden zwischen seinem Fan-Dasein und der Liebe …
Muss er natürlich nicht. Aber, hey, überrascht Sie das? Der Film leidet insgesamt an einer unglaublichen Absehbarkeit; man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, das Alles schonmal gesehen zu haben. Hat man vermutlich auch; bloß besser …
Beispielsweise, wenn der Junge das Mädchen bei strömendem Regen nach Hause fährt und sie ihn fragt, ob er noch einen Kaffee möchte. Erstens, wir kennen diese Szene dermaßen auswendig, dass sie nur noch auf eine Art gezeigt werden sollte, nämlich:
Sie: Kommst Du noch rauf auf einen Kaffee?
Er: Ich trinke eigentlich keinen Kaffee.
Sie: Ich habe auch gar keinen…
(Schnitt, Sex)
Das wäre ökonom- und ironisch; es wäre lustig. Stattdessen muss ich mir den Quatsch ständig aufs Neue anschauen. (A propos: Regnet es in der Wirklichkeit eigentlich jemals so sintflutartig wie in Serienkillerfilmen (”Seven”) und romantischen Komödien?
Bin-Jip - Leere Häuser
Kim Ki-Duk hat einen Liebesfilm gedreht. Wer “Address Unknown” kennt, findet das möglicherweise befremdlich. “Bin-Jip” (”Leere Häuser”) ist kein Sprung in eine völlig andere Richtung, die Handschrift des Regisseurs bleibt erkennbar. Auch hier ist Gewalt “eine Art von Magie” und Teil des täglichen Lebens in Korea, andere Züge Ki-Duks stechen in diesem Film jedoch stärker hervor.
Plot: Korea. Ein junger Mann bricht in fremde Wohnungen ein, deren Besitzer in Urlaub sind. Statt sie auszurauben, räumt er auf. Wäscht ab, hängt die Klamotten ordentlich auf und repariert beispielsweise kaputte Telefone. Dann verschwindet er wieder und sucht sich eine neue Bleibe. Dieser moderne Hausgeist trifft auf seiner Fahrt ein Model, das von ihrem prügelnden Ehemann zu Hause zurückgelassen wurde. Sie kommt mit ihm und das schweigende Päärchen wandelt von nun an gemeinsam durch die leeren Häuser der Menschen.
Geschwiegen wird sehr viel in diesem Film. Die Hintergrundmusik wird spärlich eingesetzt, wofür ich den Regisseur jedes Mal knutschen könnte. Die natürlichen Geräusche in einer spannenden Szene im Garten eines Innenhofs beispielsweise sind viel spannender, als jede Art von “dramatischer” Musik es gewesen wäre.
Nur die Nebendarsteller reden, die beiden Hauptcharaktere sprechen kein Wort, bis auf zwei Sätze, die die Frau gegen Ende des Films von sich gibt. Der Film wird über weite Strecken von Blicken und Handlungen der beiden Figuren getragen. Zusammen mit der großartigen Leistung der Schauspieler entsteht so der Eindruck von einer Traumwelt, der der Zuschauer zusammen mit den Protagonisten angehört. Diese kann von den lauten und brutalen Menschen, mit denen sie sich immer wieder konfrontiert sehen, höchstens gestört, jedoch nie ganz gebrochen werden.
Was soll ich sagen, ich liebe den Film. Er trifft genau den Nerv dessen, was man mit Worten nicht beschreiben und höchstens zerreden kann. Wunderbar! ![]()
Ein Titel, der sich widerspricht, wohl kaum, wenn es nach der 21jährigen Schauspielerin geht. Diese möchte in ihrem neuen
Film „Florence“ mit einer exzellenten schauspielerischen Leistung brillieren. Das hierfür allerdings nackte Haut nicht zwingend notwendig ist, hat man Lindsay Lohan leider noch nicht verraten.
In „Florence“ soll Miss Lohan eine nymphomanische Kellnerin spielen und dabei mit viel nackter Haut zu sehen sein. Für den Film kassiert Lohan lediglich eine Gage von rund 50.000 Euro, denn für sie stand der Versuch von ernsthafter Schauspielerei absolut im Vordergrund. Für ihren letzten Film „Ich weiß, wer mich getötet hat“ erhielt die 21jährige gleich drei Goldene Himbeeren. Diese verkörpern den Gegenpart zu den Oscars und Lohan erhielt gleich zwei in der Kategorie „schlechteste Schauspielerin“.
In der jüngsten Vergangenheit wurde man auf Lohan weder durch ihre musikalischen noch durch ihre schauspielerischen Leistungen aufmerksam. Stattdessen tauchte sie immer im Zusammenhang mit Drogen- und Alkoholkonsum in den Gazetten auf. Das Partygirl musste sich sogar zwischenzeitlich einer Entziehungskur unterziehen, um nicht vollends zu versinken.
Nun also der Versuch, wieder als Schauspielerin Fuß zu fassen. Allerdings muss Lindsay über die falschen Berater verfügen, denn wenn der Film schon mit solchen Schlagzeilen promotet wird, kann es ja nichts werden. Natürlich erfolgte in diesem Zusammenhang gleich der Rückgriff auf das New York Magazine, wo Lindsay am Beginn des Jahres nackt als Marilyn Monroe posierte.
Der Rote Baron
“Der Rote Baron” startet morgen, am 9. April, in den deutschen Kinos.
Der Film soll das Leben des deutschen Flieger-Asses Manfred von Richthofen zeigen. Die deutsch-britische Koproduktion unter der Regie von Nikki Müllerschön wurde bereits 2007 heftig beworben, hat es jedoch erst in diesem Jahr in die offiziellen Kinosäle geschafft.
Premiere feierte der Film auf der Berlinale, das Echo der Presse war ernüchternd. Ich persönlich hatte nach “Keinohrhasen”, dem letzten Film, in dem Schweiger und Schweighöfer zusammen vertreten waren, endlich mal auf eine gute deutsche Weltkriegsadaption gehofft.
Die Kritiken des Films verderben einem leider durchweg die Lust auf den Streifen. Von Richthofen werde als Pazifist dargestellt (Wie bitte?) und bekomme eine durchweg kitschige Liebesgeschichte spendiert. Außerdem sei der Krieg viel zu sauber und konfliktfrei dargestellt, was gerade bei der Nachstellung des ersten Weltkrieges wie ein schlechter Witz anmutet. Offensichtlich ist da in der Bemühung, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, bei Authentizität und Atmosphäre geschlampt worden, zugunsten einer Extrapackung Drama.
Schade eigentlich, ein guter Doppeldecker-Film mit ordentlichen Dogfights und markanten Flieger-Sprüchen wäre schön gewesen. Wer trotzdem Lust hat, reinzugehen, hier ist der Trailer.
Alte Klamotten im TV : Nackte Kanone 2 1/2
Neulich mal wieder die “Nackte Kanone 2 1/2″ gesehen. Kann ja mal vorkommen. Jetzt aber die erstaunliche Entdeckung: Der Film ist gut - so, wie Fastfood, Coca-Cola, Disney, Windows, etc. Unglaublich albern. Aber gut.
Das Verblüffendste aber ist die hölzerne Nebenrolle O.J. Simpsons, der als tollpatschiger Kollege Lesley Nelsons ein paar Szenen hat. Unglaublich, dieser Mann; ein perfektes Produkt der Fernsehgesellschaft: Ein Amerikaner konnte Anfang der Neunziger nachmittags im Fernsehen die Liveberichterstattung von der Verfolgungsjagd zwischen dem Mordverdächtigten Simpson und der Polizei anschauen und anschließend ins Kino gehen, um Simpson als vertrottelten Cop zu bestaunen. Das muss man erstmal schaffen.
Zum Film. Im Prinzip unterscheidet er sich kaum vom ersten Teil; das Erfolgsrezept - eine ausgewogene Mischung aus Wort- (für Erwachsene) und Situationskomik (für Kinder) sorgt dafür, dass das Publikum sich gut unterhalten fühlt. Die Schauspieler sind genauso gut (oder schlecht) wie im Vorgänger, ein paar Witze werden ausgereizt. Das Schöne an Slapstick-Komödien ist ihre Zeitlosigkeit - das gilt für die “Nackte Kanone” ebenso wie für “Hot Shots” etc. Nichts, was man gesehen haben müsste. Aber auch nicht unbedingt verschwendete Zeit.
Neu im Kino: 3. April
Diese Woche steht, was das Kino angeht, ganz im Zeichen der Komödie; aber ausnahmsweise sind es mal nicht billige Klamotten à la “Scary Movie”, sondern zwei ganz verschiedene, aber alle gleichwohl empfehlenswerte Streifen.
Simon Pegg, dem Cineasten bestens bekannt seit seinem Geniestreich “Shaun of the Dead” - den er freilich im vergangenen Jahr mit “Hot Fuzz” nicht übertreffen konnte -, beschert Liebhabern britischen Humors die Komödie “Run, Fatboy, Run!”. Worum geht’s? Der etwas dickliche Simon beschließt, seiner Verflossenen, die inzwischen mit einem Marathonläufer liiert ist, zu beweisen, was in ihm steckt - und fängt selbst an zu laufen. Die Katastrophen sind vorprogrammiert…. Splatterfan Pegg ist inzwischen eine feste Größe auf der Landkarte des britischen Humors; hierzulande war bislang nur “Shaun…” der große Erfolg vergönnt - aber eine kleine Schar wackerer Filmgänger hält Mr. Pegg bis zum nächsten ganz großen Wurf die Treue …
Michel Gondry, der zuletzt Charlotte Gainsbourg ganz wunderbar in Szene setzte, bringt “Abgedreht” alias “Be kind, rewind”. Sie dürfen sich selbst aussuchen, welcher Titel Ihnen besser gefällt. Der Streifen handelt von zwei Videothekaren, deren Einer sich irgendwie verstrahlen lässt und anschließend mittels seines Körpers (jaja, Physik ist nicht meine Stärke - Gondrys aber auch nicht) aus Versehen alle Tapes in der Videothek löscht. Was tun? Um dem Zorn ihres Vorgesetzten zu entgehen, beschließen die beiden Videothekare (Jack Black, Mos Def), alle Filmklassiker kurzerhand nachzudrehen. Ihre Billigversionen erfreuen sich bald größter Beliebtheit …
Eine fabelhafte Woche für alle, die gerne zum Lachen ins Kino gehen. Wer lieber weint, der warte bis zum 22. Mai - dann kommt der neue Indiana Jones: Und der wird es schwer haben, die Erwartungen der Fans zu erfüllen …
