Kino, neue Filme & Schauspieler

Archiv für "Februar"

Tod eines Hai-Bezwingers

Autor: Fin 0 Kommentare

Als ich zum ersten Mal einen Film mit dem amerikanischen Schauspieler Roy Scheider sah, hatte dieser den Zenit seiner Karriere längst überschritten: Irgendwann Mitte der Neunziger muss ich im Fernsehen “Das Fliegende Auge” gesehen haben. Der Film wird heute noch gerne gezeigt, er war zwischendurch der typische Pro7-Freitagabend-Film, inzwischen ist er vielleicht schon ins Sonntagnachmittagsprogramm verbannt. Was nicht heißen soll, dass er schlecht ist - höchstens ein wenig angestaubt. Im Gegensatz zu anderen Achtzigerfilmen wie “Tron” oder “RoboCop” kommt er allerdings tricktechnisch recht klassisch, um nicht zu sagen: bescheiden, daher. Aber wer sich nicht übernimmt, kann nicht viel falsch machen. Roy Scheider war damals der Held. Sein kantiges, glattes Gesicht und die kleinen, konzentrierten Augen verhießen Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Männlichkeit, überhaupt “-keit”. Und aus irgendeinem Grund blieben mir der Film, und - mehr noch - der Schauspieler im Gedächtnis. Dabei war Roy Scheider beileibe kein besonders guter Darsteller; er war ordentlich, im besten Sinn. Eine Projektionsfläche, ein Handwerker, kaum ein Künstler. Trotzdem. Später sah ich “Der Marathon Mann”, in welchem Scheiders Part deutlich düsterer ist, und noch später zwangsläufig auch mal “Der Weiße Hai”, dem wir es langfristig zu verdanken haben, dass es heute Hobbitfiguren in Kinderüberraschungseiern gibt. Beide Filme rissen mich nicht mit, obwohl die einhellige Meinung von Kritik (und Publikum) zu sein scheint, dass sie weit besser sind als, ja, “Das Fliegende Auge”. Roy Scheider war für mich ohne den Helikopter kaum mehr vorstellbar. Einzig den Part des Bösewichts in “Romeo is Bleeding” nahm ich ihm ab, aber das ist überhaupt ein ziemlich beeindruckender Film. Scheiders letzte Arbeiten habe ich alle nicht gesehen. Besonders gut scheinen sie nicht gewesen zu sein; was nicht verwundert: Roy Scheider war ein Schauspieler der Siebziger und Achtziger; sein Gesicht gehört in diese Zeit wie “Dallas” und Tina Turner. Gestern wurde bekannt, dass der Schauspieler 75-jährig an den Folgen einer Blutkrebserkrankung verstorben ist.

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Vaniers Reality-docu-fiction-soap-drama-reportage-film

Autor: Fin
8 Feb
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Nicolas Vanier ist Abenteurer, Schriftsteller, Umweltaktivist. Sein Film “Der letzte Trapper” ist ein unglückseliger Zwitter.

Berühmt wurde der 1962 im Senegal geborene Franzose für seine Reisen durch arktisches Gebiet und Sibirien. Seine Bücher, die in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre erscheinen, reißen mit ebenso schöner Regelmäßigkeit Millionen Leser mit und sensibilisieren sie für die Probleme der nordischen Weltregionen. Mehrere von Vaniers Expeditionen wurden mit der Kamera dokumentiert; dabei sind einige sehenswerte Dokumentarfilme entstanden.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, ehe Vanier selbst das Filmemachen als adäquates Ausdrucksmittel seiner Passionen entdecken würde - immerhin war er von gewöhnlicher Reiseliteratur schon zum Roman und zum Dokumentarfilm (mit einem Abstecher ins Kinderbuch) gelangt.

Der letzte Trapper” ist das Ergebnis dieser ersten eigenständigen Filmarbeit Vaniers - und stellt sich als merkwüriger Hybrid dar: Vanier hat sich Norman Winther, einen Trapper aus dem Yukon-Gebiet unterhalb der Rocky Mountains, zum Thema gewählt. Aber statt einen Dokumentarfilm über Winthers Leben zu machen, lässt Vanier den Trapper, seine Lebensgefährtin und alle möglichen anderen - realen - Personen mehr oder weniger fiktive Szenen nachspielen. Wohlgemerkt: Er dreht nicht (wie, beispielsweise, der grandiose “City of God”) einen Spielfilm mit Laiendarstellern. Denn keine der auftretenden Personen spielt etwas anderes als sich selbst. Auch gelingt ihm kein eigenständiger Spielfilm, dessen Epizentrum die Natur selbst wäre - wie beispielsweise Sean Penns “Into the Wild“, der in den letzten Tagen in den deutschen Feuilletons frenetisch gefeiert wurde.

Diese Konstellation erzeugt beim Zuschauen ein leichtes Unwohlsein. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, welche Szenen sich wohl tatsächlich so abgespielt haben könnten, und welche Szenen vollständig dem Drehbuch Vaniers entstammen. Zum Großteil zeigt der Film alltägliche, unspektakuläre Dinge - den Bau einer Holzhütte, das Fallenlegen, die Jagd. Man könnte die pseudo-dokumentarische Herangehensweise hier verschmerzen; ein Dokumentarfilm wird ja auch dramaturgisch zurechtgeschnitten, und auf viel mehr würde es ja nicht herauslaufen. Vorausgesetzt, es bliebe bei den alltäglichen Szenen. Aber zwei Episoden haben so offensichtlich fiktiven Charakter, dass sie die Toleranz des Zuschauers arg in die Bredouille bringen: Einmal wird der Lieblingshund des Trappers überfahren, und die Szene ist so phantastisch zusammengeschnitten, dass es einfach überhaupt nicht mehr “echt” wirkt (und man sich unwillkürlich fragt: Starb denn ein Hund, oder nicht? Ist das wirklich der Hund des Trappers Norman Winther, oder ist es ein dressierter Hund? Ist diese Episode wahr, stellt sie eine wahre Episode nach, oder ist sie nur um der Dramturgie Willen eingefügt?) Ein andermal bricht der Trapper mit seinem Hundeschlitten auf einem zugefrorenen See ein und wird von den Hunden gerettet, wobei die Kamera ihm auch ins Eiswasser folgt.

Natürlich wusste Vanier, was er tat. Und natürlich wusste er um die Vor- und Nachteile des Dokumentar- wie des Spielfilms. Vermutlich würde er sagen, dass sein geskripteter Film mit den aufwändigen Kamerafahrten und der relativ einfachen Erzählweise die Zuschauer unmittelbarer anspricht, als ein Dokumentarfilm - gleichen Inhalts - das täte. Ich weiß es nicht.

Der letzte Trapper” ist deshalb trotzdem sehenswert; wer weiß, vielleicht hat er ja als Genrehybrid sogar filmgeschichtlichen Wert. Verzeihen Sie mir also, wenn ich ihn zwei Rubriken zuordne: Dokumentation, und, naja, Abenteuer eben.

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Son of Rambow - Trailer

Autor: Fin
6 Feb
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Das ist mal ein Film! “Son of Rambow” erzählt von Kindern, die ein, naja, mehr oder weniger, “Rambo”-Remake drehen … und sieht jetzt schon verdammt gut aus. Übrigens, träume ich oder ist das der kleine Junge aus “Charlie und die Schokoladenfabrik”?

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Alles ist ganz eitel

Autor: Fin
5 Feb
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Nachdem er 1996 mit “Alle sagen: I love you” ein vielfach unterschätztes Musical abgeliefert hatte, ging Woody Allen im Folgejahr in seinem 26. Film daran, ein Art Bilanz zu ziehen: “Deconstructing Harry” ist eine wirre, urkomische Collage aus Allen-Geschichten und Zitaten; dabei so pointiert und bitter, wie Allen sich noch nicht gezeigt hatte. In gewisser Weise deutet sich in dem knappen, lakonischen Stil von “Harry außer sich” bereits der pessimistische, humorlose Grundton von “Match Point” (2005) oder “Cassandra’s Dream” (2007) an.

Dabei ist der Film, von der ersten Minute an: Eine Komödie; und die Gagdichte ist erstaunlich hoch. Harry Block, ergrauter Bestsellerautor, hat alle seine Beziehungen zu Romanen gemacht. Er ist ein erfolgreicher Autor, bloß: Alle Welt hasst ihn. Folgerichtig versucht eine seiner Verflossenen gleich in der zweiten Szene, ihn umzubringen. Als wären derlei Miseren nicht genug, leidet Harry auch noch an einer Schreibblockade. Und wird nach und nach von seiner eigenen Romanfiguren besucht …

Die Handlung ist wirr, aber nicht verwirrend, und erweist sich als Aneinanderreihung perfekter Episoden. Da verwundert es kaum, dass auch einige von Harrys Kurzgeschichten en passant erzählt werden. Wie üblich, hat der Regisseur eine beeindruckende Zahl bekannter Darsteller für seinen Film begeistern können: Neben Demi Moore treten Robin Williams, Tobey Maguire, Kristie Alley, Billy Crystal, Judie Davis, Jennifer Garner und Stanley Tucci auf.

Der Höhepunkt des Films aber ist Allen selbst, dessen stotterndes, depressives, verwirrtes, total überfordertes Alter Ego noch nie so gut gepasst hat wie in “Harry außer sich”, der, ehrlich gesagt, Allens bester Film in den Neunzigern ist - sagen wir, neben dem unvergleichlichen “Alle sagen: I love you” …

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Fulcis Leichen faulen wieder

Autor: Fin
4 Feb
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Zombies, Haifische, karibische Strände - was will man mehr?

Lucio Fulcis erster Zombiefilm heißt im italienischen Original “Zombi 2″, was ein feiner Marketingcoup war: George Romeros “Dawn of the Dead” war kurz zuvor in Italien unter dem Titel “Zombi” gelaufen.

Angst vor Plagiatsvorwürfen hatte Herr Fulci ohnehin selten. “Woodoo - Schreckensinsel der Zombies” war der erste, äh, “große” europäische Zombiefilm, dem eine ganze Reihe teils sehr drastischer Splatterfilme folgen sollte. Im Gegensatz zu Romero, dessen Apokalypsen stets ein wenig politische Allegorie waren, verzichtet Fulci zugunsten einer romantisch-monströsen Abenteuerhandlung auf jegliche gesellschaftskritischen Töne: Stattdessen legt er wert auf einen exotischen Schauplatz, hübsche Mädchen und blutige Effekte. Was ihm bisweilen auch sehr gut gelingt.

Die Geschichte passt auf ein Kaugummipapier: Ein herrenloses Boot wird im New Yorker Hafen angetrieben. Als Polizisten es kontrollieren, werden sie von zwei Zombies angegriffen. Auf den Vorfall angesprochen, weiß die Tochter des Bootseigners nur zu berichten, dass ihr Vater auf einer karibischen Insel (”Matool”) lebt. Kurzerhand macht sie sich, zusammen mit einem unerschrockenen Reporter, auf, die mysteriösen Geschehnisse aufzuklären. Auf Matool angekommen, stellen sie fest, dass eine grauenhafte Epidemie die Bewohner dahinrafft - und als Untote wieder auferstehen lässt …

Eines gleich vorweg: Mit den Gore-Effekten neuerer Splatterfilme wie “Saw” oder “Hostel” lässt sich “Woodoo” nicht vergleichen; zwar sind einige Szenen recht eindrücklich, aber insgesamt überwiegt eine Art Comic-Atmosphäre, die dem Film jeglichen Realismus nimmt. Den Zombies sieht man das Make-up an, das Blut wirkt ein bisschen marmeladenhaft, und wenn’s ans Splattern geht, wirkt mancher gestandene Kerl nur noch wie ein Plastik-Dummy. Sei’s drum: Spaß macht’s allemal.

Zum Beispiel eröffnet Fulci seinen Film mit einer Szene, die im Subsubsubgenre des karibischen Zombiefilms klassisch geworden ist: Unter Wasser kämpfen ein Zombie und ein Hai gegeneinander. Das zeigt nachdrücklich, mit welchem Anspruch an Ernsthaftigkeit Fulci ans Werk gegangen ist … ;-)

Ich gestehe, ich habe eine Schwäche für Horrorfilme; und besonders für die alten. Man sieht ihnen das geringe Budget an, ebenso aber auch den Spaß, den alle Beteiligten beim Dreh hatten. Für “ernsthafte” Cineasten vielleicht nicht unbedingt der Heilige Gral; aber einen unterhaltsamen Filmabend - bestenfalls mit reichlich Dosenbier … - kann man damit gut gestalten.

Quiz: Wie oft sieht man in “Evil Dead” Scheinwerfer im Bild?

Kategorie: Cinemathek mehr
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