Februar, 2008
Der Bond-Bösewicht als Familienvater
“Happy End mit Hindernissen”
Der deutsche Titel ist mal wieder nicht besonders: “Ils se marièrent et eurent beaucoup d’enfants” (Original) und “…and they lived happilly ever after” drücken die Stimmung von Yvan Attals Erstling viel besser aus. Denn es handelt sich beileibe nicht um eine romantische Komödie à la “Wie werde ich ihn los …” etc. Der Film ist ebenso traurig wie komisch; aber keines von beidem überwiegt. Attal erzählt langsam und leichtmütig von einem kleinen Freundeskreis in Paris. Dabei bleiben alle Figuren schön authentisch. Man würde sich, nach Betrachten des Films, nicht wundern, Gabrielle oder Francois draußen auf der Straße zu begegnen.
Wie er das gemacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis - aber für seine erste Regiearbeit konnte Attal (der übrigens den Bösewicht im nächsten Bond-Streifen geben wird) eine ganze Reihe namhafter Schauspieler gewinnen. Allen voran natürlich seine wunderbare Frau Charlotte Gainsbourg und den unglaublich komischen Alain Chabat. In einer Nebenrolle tritt Johnny Depp auf und beweist, dass er solides Französisch spricht. Ferner Anouk Aimée, Claude Berry, Emanuelle Seigner und Attal selbst.
Zentrum der Geschichte sind Gabrielle (Gainsbourg) und Francois (Attal), die einen siebenjährigen Sohn haben. Obwohl Gabrielle weiß, dass Francois sie betrügt, verlässt sie ihn nicht; und obwohl Francois Gabrielle betrügt, weiß er, dass er sie nicht verlassen kann. Das klingt tragischer, als es im Film tatsächlich ist. Die Figuren wirken sehr realistisch; komplex, und verweigern sich allzu einfachen Lösungen, die gewöhnliche Drehbücher wohl anbieten würden.
Ein sehr sehenswerter, schöner kleiner Film, womöglich der erste Schritt einer größeren Regiekarriere. Aber erst kommt wohl Bond… Der Trailer ist übrigens hier zu sehen.
Die Fans des Berliner Eisbären Knut können es kaum noch erwarten. Ab dem 16. März erobert der weiße Bär, der schon lange nicht mehr so klein und knuddelig ist, die Leinwände in den deutschen Kinos.
Die einzigartige Geschichte vom Eisbärenbaby Knut begann am 5. Dezember 2006. Die Mutter des kleinen Fellknäuels, Tosca, brachte zwei männliche Jungtiere zur Welt, verweigerte aber die Annahme der beiden Bären. Eines der beiden Tiere verstarb nach nur vier Tagen und die Tierpfleger des Zoologischen Gartens in Berlin standen vor der Entscheidung,
den süßen und tapsigen Eisbären verhungern zu lassen oder ihn mit der Flasche groß zu ziehen. Das Schicksal des kleinen Knut wurde zunächst von den Berlinern und später weltweit mit Spannung verfolgt.
Um das Überleben des Eisbären zu sichern, bauten die Pfleger für Knut einen Brutkasten. Dort verbrachte er die ersten 44 Tage seines Lebens und wurde dabei dauerhaft von seinem „Ziehvater“ Thomas Dörflein überwacht. Dieser verschrieb sich voll und ganz dem Leben des kleinen Knuts und bezog eigens für die Aufzucht eine eigene Wohnung im Zoologischen Garten. Am 23. März 2007 wurde Knut dann der Öffentlichkeit vorgestellt und der kleine Schelm eroberte die Herzen der Besucher im Sturm. Schon bei seiner Präsentation verfolgten Tausende von Besucher die ersten Schritte des niedlichen Eisbären in seinem Gehege. Die Auftritte und Spieleinheiten von Knut und seinem „Papa“ wurden zu einem täglichen Highlight im Zoo. Fast täglich berichteten Zeitungen, Radiostationen und Fernsehen über den Alltag von Knut. Weltweite Aufmerksamkeit genoss das neue Berliner Idol - jeder wollte wissen, wie es weiter geht im Leben des kleinen Eisbären.
Jeder Schritt von Knut wurde dabei von einer Kamera festgehalten – das erste Herumtollen, das erste Schwimmen sowie das Entdecken der eigenen Welt. Dieses Filmmaterial bildet nun die Basis für den neuen Kinofilm.
Der Rummel um Knut kam aber nicht nur ihm zu Gute, auch zahlreiche andere Tiere profitierten von der Beliebtheit des Eisbären. Die Zuschauer entdeckten den Berliner Zoo völlig neu, der im vergangenen Jahr Rekordbesucherzahlen vermelden konnte und das gewonnene Geld in die Pflege der Tiere investierte.
Neben der Geschichte des kleinen Knuts wird im Film auch auf das Schicksal anderer Bärenkinder aufmerksam gemacht. Zur gleichen Zeit wie unser Eisbär wachsen in der wundervollen Naturlandschafts Weißrusslands die beiden Braunbärenkinder Masha und Pasha auch ohne Mutter auf. Deren Abenteuer, ihre Geschwisterliebe sowie die Gefahren, in welche sich beide Bären begeben, werden in „Knut und seine Freunde“ ebenfalls erzählt. Dass es den Eisbären in freier Wildbahn natürlich anders ergeht als unserem Knut, war den meisten Zuschauer sicherlich klar. Aber wie hart das Leben in der eisigen Umgebung sein kann, wird anhand einer Eisbärenfamilie in der Antarktis dokumentiert. Die stattliche
Eisbärin Maidu muss ihre gesamte Kraft aufwenden, um ihren kleinen Zöglinge Lasse und Linn das Überleben zu sichern. Die raue Welt der Antarktis erlaubt es den Eisbären nicht, so verspielt herum zu tollen, wie es Knut im Berliner Zoo so gerne tut.
So wird den Kinobesuchern in „Knut und seine Freunde“ auf anschauliche Art und Weise noch einmal die ersten Monate von Eisbär Knut und seinen Freunden in Freiheit näher gebracht. Nicht nur für Fans des kleinen Eisbären Knut ist der Film lohnenswert. Die Dokumentation über die Braunbär- und Eisbärenkinder ist eine sinnvolle Ergänzung und trägt wesentlich dazu bei, dass sich Kinder mit der Natur bewusster auseinandersetzen. Am Ende ist der Film aber vor allem ein toller Familienspaß!
Burtons stumpfste Klinge
Tim Burtons letzer Streich “Sweeney Todd” weiß nicht so recht zu überzeugen.
15 Jahre, nachdem er für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, von einem Richter, der seine Frau begehrte, nach Australien verbannt wurde, kehrt Benjamin Barker nach London zurück. Aber er ist nicht mehr Benjamin Barker: Der Richter hat ihm Alles genommen, was er liebte, und nun sinnt der Barbier nur noch auf Eines - Rache. Fortan nennt er sich Sweeney Todd.
Die Geschichte des dämonischen Barbiers, der seinen Kunden reihenweise die Kehlen aufschlitzt, kursierte schon im 19. Jahrhundert in London; aber erst in Verbindung mit der skrupellosen Mrs. Lovett, die die Leichen der auf dem Barbiersessel Hingerichteten zu Pasteten verarbeitet, wurde die Geschichte richtig populär.
So populär, dass Steven Sondheim 1979 ein Musical schrieb. “Sweeney Todd - the demon barber of Fleet Street” gehört allerdings zweifellos nicht zu den besseren Sondheim-Musicals, obwohl das Konzept sicher interessant ist: Die Musik ist schlicht scheußlich, schräg, dissonant, bedrohlich. Das passt natürlich zur Geschichte. Andererseits verhindert es, dass man sich im Nachhinein an ein Lied besonders gerne erinnern mag - sie sind alle, irgendwie ganz bewusst, schlecht.
Die Erwartungen an Tim Burton waren groß. Seine Filme mit Johnny Depp - “Edward Scissorhands”, “Sleepy Hollow”, “Corpse Bride” - waren bisher seine besten; und das schwarze Märchen von Sweeney Todd schien bester Burton-Stoff. Schien.
Vielleicht hätte er sich nicht das Musical vornehmen sollen. Unglücklicherweise wird nämlich nahezu die ganze Zeit gesungen; nur selten durchbrechen kurze Dialoge die Musik. Das kommt Burtons Erzählstil - und seinen Schauspielern - nicht besonders entgegen. Sie bringen zwar alle eine gute Leistung; aber was hätte daraus werden können, wenn sie richtig hätten schauspielern können?
Auch weiß Burton seine filmischen Mittel nicht richtig einzusetzen: Abgesehen von den blutroten Morden, entfernt er sich nie allzu sehr von der Inszenierungsweise des Musicals. Warum lässt er seine Kamera nicht erzählen, durch das verdreckte, düstere London gleiten? Eine Kamerafahrt am Anfang, das ist alles. Wieso verfolgt er nicht den Weg von Mrs. Lovetts Pasteten, vom Ofen im Keller ihres Hauses bis in die Küche einer wohlhabenden Familie am anderen Ende Londons? Stattdessen bleibt der Film weitgehend auf die Handlungsorte des Musicals beschränkt; und beraubt sich so selbst seiner Möglichkeiten.
Nur einmal, während eines Lovett-Lieds, blitzt der sardonische Burton-Humor auf; Sweeney Todd und Mrs. Lovett, beide leichenblass geschminkt, sitzen in Badeanzügen am Strand - ein schräges, witziges Bild. Aber das einzige.
Das Alles soll freilich nicht heißen, dass er schlecht ist - sehenswert, allemal. Aber keiner der besseren Burton-Filme. Dazu fehlt ihm die Handschrift seines Regisseurs.
Oscar 2008? Erledigt.
Gepflegte Langweile.
Die 80. Oscar-Verleihung versprach nichts, das sie nicht halten konnte. Die Favoriten gewannen in schöner Folge, Marion Cottillard überraschte als beste Hauptdarstellerin, alles dauerte - wie man’s von den Academy Awards gewohnt ist - sehr lange, und wirklich witzig war’s auch nicht. Dementsprechend beklagen die Feuilletons heute die völlige Berechenbarkeit, das nüchterne Durchzählen der Gewinner. Aber, ehrlich gesagt - viel mehr kann man von einer Preisverleihung eigentlich nicht erwarten. Das große Problem der Oscars ist, dass sie seit Jahrzehnten überbewertet werden. Und das, obwohl sie absolut subjektiv urteilen; gelegentlich auch richtig schlecht. In diesem Sinne hat die Verleihung am gestrigen Abend alles wieder zurechtgerückt; Hollywood wurde - selten genug! - auf sein tatsächliches Maß gestutzt.
Oscars 2008
Bester Film: “No Country for Old Men”
Beste Regie: “No Country for Old Men”
Bester Hauptdarsteller: Daniel Day-Lewis, “There will be Blood”
Beste Hauptdarstellerin: Marion Cotillard, “La vie en rose”
Bester Nebendarsteller: Javier Bardem, “No Country for Old Men”
Beste Nebendarstellerin: Tilda Swinton, “Michael Clayton”
Bestes adaptiertes Drehbuch: “No Country for Old Men”
Bestes Drehbuch: Diablo Cody, “Juno”
Bester ausländischer Film: “Die Fälscher”
Bester Dokumentarfilm: “Taxi to the Dark Side”
Aus dem Leben eines Taugewas
Richard Attenboroughs “Chaplin” nimmt die Technik der gegenwärtig beliebten “Biopics” vorweg: Im Guten wie im Schlechten.
Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine 138-minütige Tour de Force durch das Leben der Stummfilm-Ikone. Dazu bedienten die Autoren sich aus zwei Büchern über Chaplin. Dass - in solcher Straffung - einiges auf der Strecke bleiben musste, versteht sich von selbst.
Man merkt dem Film die große Hingabe aller Beteiligten an - allen voran Robert Downey Jr. in der Titelrolle, der für den Oscar nominiert wurde. Er beweist großes Talent als Komiker, und die kleinen, gelegentlich eingestreuten Slapstick-Szenen sind die eigentlichen Höhepunkte des Films. Der übrige Cast kann ebenfalls überzeugen: Paul Rhys (Sidney Chaplin) und Kevin Kline (Douglas Fairbanks) tragen stilechte Zwanzigerjahre-Oberlippenbärtchen, und in einer kleinen Nebenrolle ist die junge Milla Jovovich als Chaplins erste Frau zu sehen. Auch die Ausstattung wird dem epischen Anspruch gerecht; Kostüme und Kulissen erwecken die ersten zwanzig Jahre des vergangenen Jahrhunderts glaubwürdig zum Leben. Hin und wieder bedient der Regisseur sich augenzwinkernd der Techniken des Stummfilms, aber gerade in dem Maße, dass diese Szenen wie kleine Bonbons wirken und die Handlung auflockern. Trotzdem will der Funke nicht so recht überspringen.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen entschied Attenborough (”Gandhi”) sich dafür, Chaplins Lebensgeschichte als Erinnerungsmosaik eines Gesprächs des 73-jährigen Schauspielers mit seinem (fiktiven) Verleger (Anthony Hopkins) auszubreiten. Ein Schuss, der nach hinten losging: Die zwischengeschalteten Dialoge der beiden wirken so unecht und überhöht, dass sie - jedesmal aufs Neue - zuverlässig das Tempo, das der Film gerade wieder aufgenommen hatte, ausbremsen. Dieses Leben hätte noch viel mehr Stoff geboten - und vor diesem Hintergrund wirken einige der erzählten Episoden willkürlich: Wieso Chaplins ersten drei Frauen soviel Platz einräumen? Ganz Kind der Neunziger, versteift der Film sich gelegentlich allzu sehr auf das Thema Sex. Dafür bekommt man von Chaplins elf Kindern bloß zwei zu sehen. Wenn der junge, aber beispiellos erfolgreiche Filmemacher in sein Studio fährt, erwarten ihn applaudierend seine Mitarbeiter; was nicht sehr glaubwürdig wirkt: Chaplin war nicht nur Perfektionist, sondern auch recht ungnädig gegenüber seinen Angestellten.
Alles in Allem ist “Chaplin” sicher sehenswert, taugt aber aufgrund seiner inhaltlichen Schwerpunkte, die das Leben Chaplins bestenfalls fragmentarisch wiedergeben, nur als Unterhaltungsfilm. An cineastische Biographien wie Scorseses “Aviator” reicht er nicht heran.
Einmal einen Mönch ermorden …
… gesteht Umberto Eco in seiner “Nachschrift zum Namen der Rose” - das sei sein Motiv gewesen, seinen Roman zu schreiben.
Jean-Jacques Annauds Adaption von Umberto Ecos Bestseller gehört zu den gelungensten Literaturverfilmungen, die es auf die großen Leinwände geschafft haben. Zwar kann der Film freilich nicht die Collage-Techniken des brillanten Romans übernehmen; und die vielgepriesene Intertextualität bleibt auf der Strecke - aber dergleichen könnte ein Film wohl kaum leisten. Stattdessen besinnt sich Annaud auf die Tugenden des Kinos und erschafft eine düstere, unheilschwangere Atmosphäre und unvergessliche Bilder. Im (auf der DVD enthaltenen) Making-Of verrät der Regisseur, er habe bei der Wahl der Schauspieler besonders solche gesucht, deren Physiognomie “mittelalterlich” wirke. Das ist ihm wunderbar gelungen: Ein derart hässliches, schmutziges Mittelalter hat man auf der Leinwand noch nicht gesehen. “Der Name der Rose” ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt; neben Sean Connery und Christian Slater sowie F. Murry Abraham als deren Gegenspieler glänzen beispielsweise Helmut Qualtinger und Ron Perlman als ehemalige Ketzer, die in der geheimnisumwitterten Abtei an der ligurischen Küste Zuflucht gefunden haben. Keine besonders sichere Zuflucht, versteht sich.
Anlässlich eines Disputs zwischen Gesandten der Franziskaner und einer päpstlichen Delegation begibt sich William von Baskerville (Sean Connery) mit seinem Novizen Adson von Melk (Christian Slater) im Jahr 1327 in die düstere, aus der kargen Landschaft hervorstechende Cluniazenserabtei, deren Bibliothek weit über die Grenzen Liguriens bekannt ist. Ehe sich alle Parteien zum theologischen Disput eingefunden haben, suchen mysteriöse Todesfälle die Mönche heim; manche meinen, der Teufel gehe um … William, ein erstaunlich aufgeklärter Franziskaner, macht sich daran, die Umstände der Tragödien zu untersuchen.
Ein “Palimpsest” des Romans, so bezeichnet sich der Film im Vorspann. Und das trifft es: Reduziert auf die Krimihandlung und eine abgründige Darstellung mittelalterlichen Lebens in und um eine Landabtei, zeichnet der Film ein bedrückendes Zeitbild. “Der Name der Rose” ist gewiss eine der besseren Produktionen Bernd Eichingers; und ein großartig finsterer Ausflug in eine Welt, in der Bücher töten können …
The Imaginarium of Doctor Parnassus - News
Als Heath Ledger im Janaur diesen Jahres starb, war er mit den Dreharbeiten zum nächsten Terry-Gilliam-Film “The Imaginarium of Doctor Parnassus” beschäftigt. Da einerseits außerfrage stand, dass der Film weiter produziert würde, man aber andererseits die von Ledger schon gedrehten Szenen nicht verlieren wollte, entschied man sich für eine spannende Lösung: Insgesamt vier Schauspieler werden die Rolle teilen: Neben Ledger schlüpfen Johnny Depp, Jude Law und Collin Farell in die Rolle des Tony. Welcher Tony? Tja. Mehr weiß ich über die Handlung bisher leider auch nicht. Man darf auf den Film gespannt sein.
Julie Delpy ist der neue Woody Allen
Julie Delpy ist Einem noch am Ehesten als Filmpartnerin Ethan Hawkes in “Before Sunrise” (1995) und “Before Sunset” (2004) bekannt, filmgewordenen Wien- bzw. Paris-Postkarten, die sich mit tiefgründigen Dialogen schmückten und doch wenig mehr waren als glitzernde Seifenblasen für die Kinoleinwände; das, was man “Feelgood-Movies” nennt. Anders “Zwei Tage Paris“: In dieser sarkastischen Komödie scheint Delpy, die das Drehbuch geschrieben, inszeniert und die Hauptrolle übernommen hat, ihre berühmten “Before”-Filme parodieren zu wollen.
Was ihr hervorragend gelingt: “Zwei Tage Paris” handelt von einem jungen Paar - sie (Delpy) französische Fotografin, die in New York lebt, er (Adam Goldberg) waschechter New Yorker -, das nach einem Venedigurlaub 48 Stunden in Paris verbringen möchte. Natürlich bei den Eltern Marions, die Delpy kurzerhand mit ihren eigenen Eltern besetzt hat. Maman und Papa sind die komödiantischen Glanzlichter des Films: Wunderbar albern geben sie die alternden 68er; beispielsweise in einer Szene, in der Marions Mutter dem Freund ihrer Tochter in brüchigem Englisch gesteht, sie habe mal mit Jim Morrison “sex-fun” gehabt.
Der Film wirkt so locker und spielerisch inszeniert wie die besten Woody-Allen-Streifen - an die er übrigens in mancher Hinsicht erinnert: Die Figuren ergehen sich in ähnlich neurotischen Dialogen; die Spannweite des Humors reicht von richtig albern (Marion sammelt Fotos ihrer nackten Ex-Liebhaber mit um den Penis gebundenen Luftballons) bis geistreich, und den Schauspielern merkt man das Vergnügen an ihren Rollen deutlich an. Deplatziert wirkt höchstens Daniel Brühl, der irgendwie so gar nicht in das heitere Pandaemonium von Delpys Figuren passen will. Macht nichts, er ist bald wieder weg. Kurzum: “Zwei Tage Paris” ist bestes Entertainment in der Tradition kleiner, geistreicher Dialogkomödien.
King of Queens (1998-2006)
“Friends just keep you away from TV.” (Doug Heffernan)
Der “King of Queens” hat es inzwischem mal locker auf neun Staffeln gebracht; wird in den Vereinigten Staaten seit 1998 ausgestrahlt - und erfreut sich immer noch größter Beliebtheit. Keine schlechte Leistung für eine Serie, deren Macher ursprünglich fürchteten, sie könnte untergehen, weil die Figuren alle so gewöhnlich sind …
Doug Heffernan (Kevin James) ist Paketzusteller in dem New Yorker Stadtteil Queens: Ein gemütlicher, netter, rundlicher Typ, und sehr verliebt in seine entzückende Frau Carrie (Leah Remini). Für sie bringt er - und damit steigt die Serie in der ersten Staffel ein - ein enormes Opfer: Er gibt seinen liebevoll eingerichteten Hobbyraum im Keller zugunsten ihres alten, etwas tattrigen Vaters auf. Arthur (Jerry Stiller, Vater von Ben) weigert sich nämlich partout, in ein Altenheim zu ziehen. Womit eine der denkwürdigsten Ménages à trois der jüngeren Seriengeschichte geboren wäre: Der Paketzusteller, seine patente Frau und ihr schräger Vater. Wie die etwa gleichalten “Gilmore Girls” legt “King of Queens” großen Wert auf flottgeschriebene, screwball-mäßige Dialoge (”Son of a mother!”), ist aber insgesamt eher Sitcom als die tragikomischen Gilmore-Geschichten. Wie sollte es auch anders sein? Immerhin spielt mit Jerry Stiller einer der besten amerikanischen Komiker seiner Generation mit. Übrigens taucht Ben Stiller in der Folge “Shrink Wrap” auf und spielt - Jerrys Vater.
In Deutschland ist inzwischen auch die neunte Staffel von “King of Queens” auf DVD erschienen. Die Qualität ist, wie man es von Serienstaffeln gewohnt ist, hoch; Bild und Ton sind hervorragend, und sogar die Extras sind sehenswert.

